Druckansicht - Monday 29. May 2017
Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft
Was ist AnaBiDeut?

 

Kurzdefinition

 

 

AnaBiDeut ist die Abkürzung für: „Analytische Bibliographie zum Deuteronomium"

 

 

AnaBiDeut ist eine analytische Internetbibliographie zum Buch Deuteronomium, angelegt zum schnellen Suchen und Exportieren von Titeln.

 

 

Warum brauchen wir neue Arten von Bibliographien?

 

 

Will man wissenschaftlich über einen biblischen Text oder ein biblisches Buch arbeiten, dann kann man nicht stets bei Null anfangen. So entscheidend es ist, von den Texten selbst auszugehen, so unentbehrlich ist doch auch der Blick auf die schon von andern geleistete Arbeit. Sie hat sich niedergeschlagen in der vorhandenen Literatur. Der Einblick in sie kann einem vieles ersparen, und er kann auf vielfache Weise anregen. Doch diese Literatur hat gerade in jüngerer Zeit unglaublich zugenommen. Es ist mühsam und zeitraubend, das, was man aus ihr für die jeweilige Arbeit braucht, zu finden, zu sichten und auszuwerten Man braucht Hilfsmittel. Die Bibelwissenschaft ist bibliographisch sicher besser ausgerüstet als manche andere Disziplinen im Bereich der Theologie. Dennoch wäre inzwischen entschieden mehr möglich. AnaBiDeut will ein Schritt in dieses weithin noch brachliegende Feld sein.

 

 

AnaBiDeut als analytische Bibliographie

 

 

AnaBiDeut will „analytisch" sein. Das heißt: Sie sammelt nicht nur Titel, sondern verbindet in ihrem Datenbestand mit ihnen auch die Notation.

  • von Bibelstellen, für die ein Titel wichtig werden kann,
  • von Stichworten für Themen, die in dem Titel behandelt werden,
  • von Literaturgattungen (z.B. „Kommentar"), Methoden (z.B. „Textkritik") und Arbeitsfeldern (z.B. „Deuteronomistisches Geschichtswerk"), denen ein Titel zugeordnet werden kann (im folgenden als „Kategorien" zusammengefaßt).

Sie macht die Titel von den gesuchten Stellen, Stichworten und Kategorien her auffindbar, indem sie als Antwort auf Suchanfragen Listen erzeugt. Die Suchanfragen lassen sich breiter oder enger anlegen - es gibt hier eine große Flexibilität. Die erzeugten Listen kann man sogleich durchforsten. Man kann aus ihnen durch Selektion neue eigene Listen erstellen, diese mit anderen verbinden und das Ergebnis jederzeit im eigenen Rechner abspeichern.

 

Natürlich sind auch simplere Suchen möglich. So kann man, wenn Autor, Titel oder Veröffentlichungsdaten einer Veröffentlichung nur fragmentarisch bekannt sind, sich sehr einfach die volle bibliographische Information verschaffen. Oder man kann sich alle Veröffentlichungen eines bestimmten Autors zum Deuteronomium zusammenstellen lassen.

 

 

Was gibt es schon an analytischen Bibliographien?

 

 

Für die Idee einer systematischen bibliographischen Zuordnung von Titeln zu einzelnen Stellen und Textstücken vergleicht man am besten J.-G. Heintz und L. Millot, Le livre prophétique d'Osee (Wiesbaden: Harrassowitz, 1999). Die beiden Autoren nennen ihren bibliographischen Zugang „Texto-Bibliographie". Sie haben ihre bibliographischen Ergebnisse zu Hosea in einem sehr nützlichen Buch vorgelegt. Doch die Buchform verhindert einerseits eine Ergänzung durch Neuveröffentlichungen, andererseits zwingt sie - um handhabbar zu bleiben - zur ständigen Wiederholung vieler Titel. Das bläht das Werk auf und macht es teuer. Hier eröffnen elektronische Datenbanken und die in ihnen heute bereitstehenden Suchtechniken ganz andere Möglichkeiten. Dazu kann das Internet jedermann Zugriff auf eine solche Datenbank gewähren.

 

Ansätze zur analytischen Erschließung von bibliographisch erfaßter Literatur waren natürlich immer schon die Stellen- und Sachverzeichnisse in laufenden oder systematisch angelegten Bibliographien, etwa in der „Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft" oder im „Elenchus of Biblica", aber auch in Monographien, die zu ihrem Thema auch Literaturverzeichnisse boten und diese durch Indices erschlossen.

 

Im Internet finden sich derartige Systeme der Erschließung ansatzweise schon in Bibliothekskatalogen, vor allem aber in einigen umfassenden Bibliographien, die einen bestimmten Bibliotheksbestand oder bestimmte Veröffentlichungsformen (etwa Zeitschriften und Sammelbände) zugrundelegen. Beispiele sind der Index Theologicus (IxTheo) = Zeitschrifteninhaltsdienst Theologie der Universitätsbibliothek Tübingen, Bibelstellensuche", oder die Bibliographie biblíque informatisée de Lausanne (BiBIL). Am reichhaltigsten für das gesamte Feld der Bibelwissenschaft ist zweifellos der „Catalogue de l'École Biblique et Archéologique Française" in Jerusalem (CEBAF). Er ist noch im Aufbau, doch der biblische Bestand der Bibliothek ist schon voll verarbeitet. Nicht notwendigerweise, wohl aber de facto sind diese Hilfen allerdings oft recht grobmaschig. In vielen Fällen sind sie nur an den Überschriften der Arbeiten orientiert, oder an einem systematisch entworfenen und sehr generellen Themenraster.

 

Ein Unternehmen, das umfassend die gesamte wissenschaftliche Literatur zur Bibel analytisch zu erfassen versuchte, und zwar aufgrund genauerer Analyse des Inhalts, ist uns nicht bekannt. Man wird so etwas zunächst auch nur im Blick auf Teilbereiche der Bibel, etwa ein bestimmtes biblisches Buch, versuchen können. Je nach Buch müssen vor allem oft spezielle Stichwortlisten entwickelt werden.

 

 

Wie kam es zur AnaBiDeut?

 

 

Genau hier setzt die „Analytische Bibliographie zum Deuteronomium (AnaBiDeut)" von Georg Braulik (Universität Wien) und Norbert Lohfink (Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main) an, die seit ihren Anfängen im Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Wien beheimatet war. Die angezielten Benutzer sind nur Studierende und Forschende, die über das Buch Deuteronomium und seine Themen arbeiten. Ihnen soll das Leben erleichtert werden. Einige Informationen über die Entstehungsgeschichte von AnaBiDeut können deren Eigenarten, zugleich auch ihre Grenzen und Schwächen vielleicht noch verdeutlichen.

 

Den Anfang, in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, bildete das Projekt eines gründlichen Kommentars zum Buch Deuteronomium, zu dem die beiden genannten Alttestamentler sich verpflichtet hatten. Beim Versuch, einen Überblick über die Literatur zu gewinnen, wurde ein alphabetischer Zettelkatalog aufgebaut. Bald begannen sie, noch einen zweiten Zettelkatalog anzulegen, der nach Kapiteln und Versen geordnet war. In ihm wurden zu einzelnen Stellen des Buches in Form von Kurztiteln jeweils die Titel genannt, die den Eindruck erweckten, es wäre sinnvoll, an sie erinnert zu werden, wenn die betreffende Stelle im Kommentar auszulegen sei. Das war ganz pragmatisch gemeint, und entsprechend wurden die Referenzen ausgewählt. Zugleich war damit das Grundprinzip einer analytischen Bibliographie in Sicht geraten.

 

Bald erwies es sich als sinnvoll, den Computer zu benutzen. Der Inhalt der Zettelkästen wurde in eine DataPerfect-Datenbank eingespeist. Später war es aus verschiedenen Gründen notwendig, zu einer Microsoft-Access-Datenbank zu wechseln. In dieser Phase, in der die eigentliche Kommentierungsarbeit begann, gesellten sich zu den Bibelstellenverweisen auch Listen mit Verweisen auf Stichworte und Kategorien. Auch das ergab sich durch die Arbeit am Kommentar.

 

Seit 2001 ist die Datenbank im Web als Zusatzofferte der Bibelwissenschaftlichen Literaturdokumentation Innsbruck (BILDI) allgemein zugänglich. Die Basis blieb die Wiener Access-Datenbank, doch wurde von ihr her die Innsbrucker Web-Ausgabe (die das Datenbankprogramm STAR benutzte) periodisch aktualisiert.

 

Inzwischen haben verschiedene technische Probleme zu einem weiteren Schritt geführt. Die Wiener Datenbasis wurde in eine Onlineapplikation migriert. Damit ist es möglich, die Bearbeitung und Aktualisierung des Datenbestands direkt im Web vorzunehmen und jedem Benutzer jederzeit den neuesten Stand anzubieten. Für Benutzer wird die Veränderung vor allem daran erkennbar, daß die Datenbank dort nun unter der URL www.univie.ac.at/anabideut aufzurufen ist. Von Innsbruck aus wird man durch ein Link hinübergeführt.

 

 

Charakterisierung von AnaBiDeut

 

 

Im Januar 2016 erfaßte die Datenbank 14333 wissenschaftliche Publikationen von 6277 Autoren und Herausgebern, mit insgesamt 24449 Referenzen zu Bibelstellen. Das heißt, für die Forschung am Deuteronomium ist ein Datenbestand erschlossen, der anderswo in diesem Umfang und auf diese Weise bisher nicht erfaßt ist. Das macht AnaBiDeut für seriöse Arbeit am Deuteronomium unentbehrlich.

 

Doch darf man auch die Grenzen des Unternehmens nicht übersehen. Die Erfassung der Daten geschah neben der akademischen Arbeit der Initiatoren her. So blieb manches zufällig. Manche Zweige der Datenbank sind erst im Lauf der Zeit entstanden und gewachsen. Das erforderte auch die Ergänzung älterer Einträge - ein nicht leichtes Unternehmen. Nicht nur die bibliographischen Daten selbst sind keineswegs vollständig, sondern noch mehr sind die mit ihnen verbundenen Verweise nicht von Anfang an in gleicher Dichte vorhanden.

 

Die Datenbank muß daher nicht nur laufend aktualisiert, sondern auch im älteren Bestand immer weiter ergänzt und verbessert werden. Es wäre sehr hilfreich, wenn Benutzer von AnaBiDeut Fehler, Lücken und Ergänzungsmöglichkeiten an die Bearbeiter der Datenbank weitergäben. Sie sind herzlich darum gebeten. Der sehr einfache Weg dazu führt über das Stichwort „Kontakt" oben links.

 

 

Wichtig ist es auch zu wissen, wonach man in dieser Datenbank nicht suchen sollte:

  • Kommentare zum Deuteronomium sind zwar verzeichnet, werden aber nicht auf behandelte Stellen hin aufgeschlüsselt. Es wird vorausgesetzt, daß man in Kommentaren auf jeden Fall nachschlägt.
  • Es gibt keine Verweise auf hebräische oder griechische Lexeme, die im Deuteronomium vorkommen - von wenigen Ausnahmen abgesehen. Es wird vorausgesetzt, daß in den einschlägigen Wörterbüchern hinreichend Literaturangaben zu den einzelnen Lexemen gemacht werden.
  • Es gibt im allgemeinen auch keine Verweise auf Lexikonartikel, Einleitungen, Geschichten Israels, Biblische Theologien und biblische Religionsgeschichten, in denen das Deuteronomium oder Fragen aus dem Deuteronomium zur Sprache kommen. Es wird vorausgesetzt, daß man sich in diesem Typ von Werken von selbst zurechtfindet.

Dagegen kann es - um mit etwas Positivem zu schließen - durchaus vorkommen, daß Benutzer über eine Stelle oder ein Stichwort zu einem Titel geleitet werden, in dem das Deuteronomium gar nicht erwähnt wird, den man aber konsultieren sollte, wenn man die betreffende Stelle oder das betreffende Stichwort im Deuteronomium studiert. 

 

 

Wer uns geholfen hat

 

 

In den Jahren 1996-2000 wurde diese qualifizierte Deuteronomium-Bibliographie durch ein Projekt des Österreichischen "Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)" gefördert. 2008 hat die „Österreichische Forschungsgemeinschaft (ÖFG)" die Erstellung der Internetdatenbank mit einer namhaften Subvention unterstützt. In den Jahren 2010 – 2012 erfolgte die Arbeit an AnaBiDeut im Rahmen eines neuen und umfassenderen FWF-Projekts ("Neubearbeitung der Sprach- und Stilcharakteristika des Buches Deuteronomium"). 

Beiden Institutionen gebührt unser herzlicher Dank.


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